Die neuen Herrscher
The New Rulers
Am 20. Januar 2025 saßen in der ersten Reihe der Amtseinführung des 47. Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht Generäle, nicht Diplomaten, nicht die Vorsitzenden des Kongresses. In der ersten Reihe saßen Mark Zuckerberg, Jeff Bezos, Sundar Pichai und Elon Musk. Vier Männer, deren Unternehmen zusammen eine Marktkapitalisierung haben, die das Bruttoinlandsprodukt der meisten Länder der Erde übersteigt.
Es war ein Bild, das mehr sagte als jede Rede. Hier saß die neue Aristokratie – nicht geerbt, nicht gewählt, sondern erbaut. Eine Aristokratie, deren Macht nicht auf Land, Armeen oder Verfassungen beruht, sondern auf Plattformen, Daten und der Infrastruktur, durch die Information fließt.
Elon Musk hatte mehr als 250 Millionen Dollar in Trumps Wahlkampf investiert. Dafür erhielt er die Leitung von DOGE – mit Zugang zu IT-Systemen von Bundesbehörden, Personaldaten von Millionen Beamten und internen Informationen von Agenturen, die auch seine eigenen Unternehmen beaufsichtigen. Innerhalb weniger Monate reduzierte DOGE die Bundesbelegschaft um neun Prozent, während die Staatsausgaben um sechs Prozent stiegen.
Keiner der Tech-Eigentümer wurde gewählt. Keiner unterliegt einer Verfassung. Keiner muss sich regelmäßig einer Wahl stellen. Und doch formen ihre Entscheidungen – welche Inhalte verstärkt werden, welche Algorithmen Priorität erhalten, welche Daten gesammelt werden – das Leben von mehr Menschen als die Entscheidungen der meisten Regierungen.
Max Weber unterschied drei Formen legitimer Herrschaft: traditionale, charismatische und legale. Die Macht der Tech-Eigentümer passt in keine dieser Kategorien. Sie ist funktional – sie beruht darauf, dass die Systeme, die sie kontrollieren, alternativlos geworden sind. Man kann sich von einem Präsidenten abwenden. Von der Infrastruktur der Kommunikation kann man sich nicht abwenden, ohne aus der Gesellschaft auszuscheiden.
Yanis Varoufakis nannte diesen Zustand „Technofeudalism": eine Ordnung, in der Plattformen die Rolle des Grundbesitzes übernehmen. Wer auf der Plattform wirtschaftet, zahlt Rente – nicht an einen Lord, sondern an einen Algorithmus. Lawrence Lessig formulierte den Kern bereits 1999: „Code is law." Wer den Code schreibt, schreibt die Regeln. Und wer die Regeln schreibt, ohne gewählt worden zu sein, übt Macht aus, ohne sie legitimieren zu müssen.