Metrisierung der Emotion
The Metrification of Emotion
Was passiert, wenn Liebe, Trauer und Wut in Likes, Shares und Views übersetzt werden? Diese Episode analysiert die Entwertung des menschlichen Affekts durch seine Quantifizierung.
Gefühle waren immer schwer zu fassen. Ihre Unschärfe war ihr Wesen. Man konnte nicht sagen, wie viel Liebe man empfindet – nur dass man liebt. Man konnte Trauer nicht messen – nur durchleben.
Heute haben wir Zahlen. Ein Trauer-Post mit 10 Likes. Ein Freuden-Bild mit 1000. Ein Wut-Tweet mit 50.000 Retweets. Plötzlich scheint messbar, was nie messbar war.
Wir untersuchen, wie wir beginnen, unsere eigenen Gefühle danach zu bewerten, wie „performant" sie im Netz sind. Wenn eine tiefe Trauer nur wenig Resonanz bekommt, fühlt sie sich im System wertloser an als ein trivialer Witz mit viraler Reichweite.
Das verändert nicht nur, wie wir Gefühle ausdrücken. Es verändert, wie wir sie empfinden. Wir beginnen, für die Kamera zu fühlen. Für den Post zu erleben. Für die Reaktion zu leben.
Das Manifest warnt: Wir verlieren die Fähigkeit zum echten Mitgefühl, wenn wir Emotionen nur noch als Datenpunkte begreifen. Empathie wird zur Performance. Authentizität zur Strategie.
Die tiefsten menschlichen Erfahrungen – Geburt, Tod, Liebe, Verlust – entziehen sich jeder Metrik. Ihre Würde liegt in ihrer Unermesslichkeit. Diese Würde gilt es zu schützen.





