Wahrnehmung als Konstrukt
Perception as Infrastructure
Basierend auf den Erkenntnissen der Neuro-Phänomenologie tauchen wir tief in die Mechanik der Wahrnehmung ein. Unser Gehirn ist kein passiver Empfänger von Lichtwellen und Schall, sondern eine Vorhersagemaschine.
Wir sehen nicht die Welt. Wir sehen unser Modell der Welt.
Das Gehirn konstruiert in jedem Moment eine Simulation der Realität – basierend auf Sinneseindrücken, Erwartungen und Erfahrungen. Diese Simulation ist so nahtlos, so überzeugend, dass wir sie für die Realität selbst halten.
In dieser Episode analysieren wir, wie digitale Interfaces direkt in diesen Konstruktionsprozess eingreifen. Der Algorithmus kennt Ihre Muster. Er weiß, welche Bilder Ihre Aufmerksamkeit fesseln, welche Worte Emotionen auslösen, welche Sequenzen Sie im Feed halten.
Wenn der Algorithmus weiß, wie wir die Welt „vorhersagen", kann er die Eingangsdaten so manipulieren, dass wir uns in einer Bestätigungsschleife verfangen. Wir sehen mehr von dem, was wir bereits glauben. Wir fühlen stärker, was wir bereits fühlen.
Der Mindshift hier ist fundamental: Die Erkenntnis, dass unsere Wahrnehmung eine Infrastruktur ist, die man besetzen kann. Wie eine Autobahn, die jemand anders gebaut hat. Wir fahren darauf – aber wir haben die Strecke nicht gewählt.
Wer die Eingänge kontrolliert, kontrolliert die erlebte Realität. Und im digitalen Zeitalter werden die Eingänge von wenigen kontrolliert – für viele.





